Martin Würmli berichtet aus der Geschichte des Crypto Valley
Crypto Valley Pioneers Interviews · 10 Feb 2026 · 11:18
Martin Würmli, city clerk (Stadtschreiber) of the city of Zug, tells how Zug became the first municipality in the world to accept bitcoin payments. He served as city clerk from 2014 to 2025 and was part of the administration when the city started its bitcoin pilot. The interview belongs to the Crypto Valley Pioneers series.
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From Crypto Valley Pioneers Interviews, hosted by Crypto Valley Pioneers.
Transcript
Mein Name ist Martin Würmli. Ich bin Stadt- schreiber der Stadt Zug seit nun bald zehn Jahren. In dieser Funktion bin ich die Schnittstelle zwischen Verwaltung und Politik. Und das Spannende an meiner Funktion ist auch, dass ich mit Themen in Berührung komme, die in den Departementen keine richtige Heimat haben. Also Themen, die nicht einem Departement zugewiesen werden können. Und so ist auch das Thema Blockchain bei mir gelandet. Blockchain-Firmen kommen nach Zug Wir haben relativ früh gemerkt, dass sich Firmen aus dem Kryptobereich hier in Zug ansiedeln.
Und zu Beginn wussten wir gar nicht so richtig, was diese Firmen machen. Wir haben uns dann im Jahr 2015, 2016 entschieden, uns mit diesem Thema verstärkt auseinander zu setzen, haben uns auch selber informiert über das Thema. Und so sind wir auch in dieses Thema hinein gewachsen. Für uns waren diese Firmen zunächst ein Buch mit sieben Siegeln. Wir haben gehört, dass es Firmen gibt, die sich mit neuen Finanztechnologien auseinandersetzen. Firmen, die eigene Währungen entwickeln, Firmen, die sich mit Blockchain auseinandersetzen. Man muss sich das so vorstellen.
Zur damaligen Zeit waren die Worte Kryptowährungen, Blockchain und so weiter nur einem kleinen Kreis bekannt. Nicht so wie heute, wo praktisch alle mitreden können zu diesem Thema. Zur damaligen Zeit war in diesem Bereich eine richtige Pionierhaftigkeit zu spüren. Und das hat uns Wunder genommen, was diese Leute hier machen. Und deshalb wollten wir uns mit diesen Leuten auch ausseinandersetzen und schauen, was diese Unternehmen hier in Zug tun. Erste Kontaktaufnahmen mit Blockchain-Unternehmen Wir haben uns zunächst einmal ein Bild darüber gemacht, was für Unternehmen überhaupt in Zug sind.
Und wir sind dann auf einzelne Personen gestossen. Zum Beispiel Niklas Nikolajsen, der von Anfang an hier auch in Zug tätig war und er war einer der ersten, mit welchen wir dann auch den Austausch gesucht haben und uns dem Thema angenähert haben. Und zum späteren Zeitpunkt haben wir auch Roundtables gemacht, zu denen wir verschiedene Vertreter von Unternehmen eingeladen haben und so mehr über diese Szene in Erfahrung kommen. Es war nicht einmal so, dass diese Leute wünsche geäussert haben, sondern es ging viel mehr darum uns gegenseitig Verständnis zu schaffen. Einerseits, das wir lernen, was diese Leute überhaupt hier in Zug machen, warum sie nach Zug gekommen sind.
Auf der anderen Seite aber auch, man muss sich vorstellen, diese Leute sind aus der ganzen Welt nach Zug gekommen. Die mussten sich vertraut machen mit unserem Rechtssystem, mit unserem politischen System. Da sind wir miteinander in Dialog getreten und haben so die verschiedenen Seiten einander aufgezeigt. Wir haben im Stadtrat einen relativ pragmatischen Weg gefunden. Wir haben eine Stadtratssitzung, einen Studenten der Universität St. Gallen eingeladen. Und dieser Student hat eine Masterarbeit zu diesem Thema verfasst und uns dann erklärt, was ist Blockchain, was ist Bitcoin und so weiter.
Und so haben wir relativ schnell begriffen, dass es etwas Interessantes ist, dass auch für die Stadt Zug und für die Region Zug von Interesses sein könnte. Die erste Bitcoin-Transaktion der Stadt Zug Man muss sich vorstellen, in der damaligen Zeit war das Thema Blockchain, Kryptowährung und so weiter, noch nicht derart stark auf dem Radar wie heute. Nur selten las man in den Zeitungen von diesen Themen. Und da war es natürlich etwas exotisch, dass ausgerechnet eine Stadtverwaltung sich diesem Thema annähert und eine Kryptowährung, Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert.
Wir haben das vor allem gemacht, weil wir als Verwaltung Erfahrungen sammeln wollten. Wie können wir solche Kryptowährungen entgegennehmen? Was bedeutet das für uns? Das es dann eine weltweite Medien-Welle auslöst und wir von der ganzen Welt Medienanfragen bekamen, das hat uns dann schon sehr überrascht. Und ich glaube, wenn wir von Beginn an gewusst hätten, wie unser Entscheid von der Bedeutung her eingeordnet wird, dann hätten wir vielleicht gar nicht den Mut gehabt, diesen Entscheid so spontan und schnell zu fällen. Und von daher war es gut, dass wir ein bisschen blauäugig an dieses Thema herangegangen sind.
In einer ersten Phase haben natürlich vor allem Leute diese Möglichkeit genutzt, die schon in der Szene tätig sind. Und für uns war auch immer wichtig, dass wir mit diesem Entscheid ein Zeichen setzen, dass wir diese Leute aus dieser Krypto-Szene ernst nehmen, dass das Thema für uns ein wichtiges ist und dass wir versuchen, uns auch als Verwaltung diesem Thema anzunähern. Und so war es, dass in einer ersten Phase 50 Personen, die es auch genutzt haben und diesen Prozess mit uns mitgemacht haben und verschiedene Leistungen der Einwohnerdienste in Kryptowährung bezahlt haben.
Es gab auch sehr, sehr viele Journalistinnen und Journalisten aus der ganzen Welt und die haben dann auch solche Probezahlungen gemacht, damit sie in ihren Beiträgen zeigen können, wie das bei uns funktioniert. Boom im Crypto Valley Es ist mir wichtig zu betonen, dieser Entscheid, dass wir eine Kryptowährung akzeptieren, das haben wir ja nicht gemacht, weil wir irgendwie Unternehmen nach Zug ansiedeln wollten. Sondern weil wir mehr zeigen wollten, dass uns interessiert, was die Unternehmen, die hier in Zug tätig sind, machen, weil wir auch auf Augenhöhe mit diesen Unternehmen diskutieren wollten und verstehen wollten, was sie machen.
Es war nie die Absicht, dass wir irgendwie einen Marketing-Gag machen, um weitere Unternehmen nach Zug zu ziehen. Es hat sich aber ergeben, dass aus diesem Mikrokosmos von verschiedenen Unternehmen, die bereits hier waren und auch diese Akzeptanz vom Thema hier in Zug, dass sich das Crypto Valley weiterentwickelt hat. Und darüber haben wir uns natürlich sehr gefreut, dass auch weitere Firmen, weitere Arbeitsplätze, nach Zug gekommen sind. Es sind sehr viele spannende Firmen auch nach Zug gekommen. Und dass so das Crypto Valley wachsen konnte, war für uns natürlich ein positiver Effekt. Warum die Stadt mitzog Der Entwicklung des Crypto Valleys kam sicher zugute, dass wir so bei der Stadtverwaltung Zug,
aber auch in den politischen Gremien, eine gewisse Pionierhaftigkeit an den Tag legen. Wir sind offen für neue Ideen, wir sind offen für neue Menschen, die nach Zug kommen mit ihren Ideen, und wir versuchen, die Wege zwischen den Unternehmen, aber auch zwischen der Bevölkerung und der Verwaltung und der Politik möglichst kurz zu halten. Wir gehen darauf ein, wenn wir hören, dass irgendwo ein Bedürfnis besteht und versuchen, so die Prozesse möglichst schlank zu halten und dass wir so ein Umfeld schaffen, wo ein Mikrokosmos wie das Crypto Valley auch entstehen kann.
Smart City Zug und Blockchain-Technologie Ich habe relativ schnell gemerkt, dass Kryptowährungen ein mögliches Anwendungsfeld der Blockchain-Technologie ist, vielleicht sogar nicht die gescheiteste Anwendungsmöglichkeit. Aber die Technologie dahinter, die Blockchain-Technologie, die kann auch für Verwaltung meiner Meinung nach eine sehr grosse Rolle spielen. Die Blockchain-Technologie macht Intermediäre überflüssig und in vielen Fällen, ist eine Stadtverwaltung mit ihren Leistungen gar nichts anderes als ein Intermediär. Und auch von daher war ich von Anfang an interessiert daran, diese Technologie zu verstehen und auch zu schauen, was man mit dieser Technologie alles machen kann.
Ich habe dann zum späteren Zeitpunkt auch eine Masterarbeit geschrieben zum Thema Blockchain in der Verwaltung, wo man dann sieht, was das für die Verwaltung bedeuten könnte. Bei Wahlen und Abstimmungen könnte die Blockchain-Technologie eine Rolle spielen. Wenn es um elektronische Identitäten geht oder Registerwesen usw. Also ich glaube, dass die Blockchain-Technologie gerade im Verwaltungsbereich auch künftig noch verschiedene Anwendungen zu Tage fördern wird. E-Services der Stadt Zug Wir haben heute in der Stadt Zug mit E-Zug eine der meiner Meinung nach schweizweit besten Lösungen für eine elektronische Identität.
Das ist ein Resultat direkt aus unseren Erfahrungen, die wir in diesem ganzen Prozess mit Kryptowährungen und Blockchain gesammelt haben. So haben wir zum Beispiel schon relativ früh eine Probeabstimmung gemacht, wo wir mit einer elektronischen Identität, wie eine Blockchain-Lösung funktioniert, eine Abstimmung gemacht haben. Und mit diesen Erfahrungen haben wir die jetzige Lösung, die sehr, sehr stark auch vom dezentralen Modell lebt, etablieren können. Und dies ist heute in der Stadt Zug sehr gut anerkannt und verbreitet. Fazit nach zehn Jahren Crypto Valley Ich glaube, die Erfahrungen, die wir gemacht haben, sind wirklich sehr positiv.
Einerseits die Erfahrungen, die wir in der Verwaltung machen durften, andererseits aber auch die vielen Unternehmen und Arbeitsplätze, die sich hier in Zug angesiedelt haben und unsere Stadt auch bereichern. Selbstverständlich gibt es auch immer wieder negative Themen, wenn zum Beispiel eine Kryptowährung sich in Luft auflöst, wenn es irgendwelche rechtliche Fragen im Zusammenhang mit Stiftungen gibt. Aber ich glaube, das ist der Preis, den man auch bezahlen muss, wenn man in einem Pionierbereich unterwegs ist. Es ist alles neu, man muss Erfahrungen sammeln und da gibt es immer Dinge, die positiv sind und Dinge die weniger positiv sind, aber für mich persönlich überwiegen die positiven Dinge.
Stand heute und was kommt nach Crypto Valley? Ich glaube, im Crypto Valley findet zurzeit eine Konsolidierung statt. Es gibt Firmen, die sich über Jahre etabliert haben, die immer noch am Wachsen sind und sich auch einen Namen machen für ihren Geschäftsbereich. Es gibt auch immer noch das Pionierhafte, es gibt wieder neue Ideen, die entstehen, dass Start-ups entstehen. Und ich glaube, das Crypto Valley kommt ja so langsam in das jugendliche Alter und wird langsam erwachsen.
Und das ist auch schön, wenn man sehen kann, dass eine Technologie, von der man am Anfang nicht so genau wusste, in welche Richtung es gehen kann, doch ihren festen Platz findet. Wir haben in der Zwischenzeit auch in Bereichen, wo wir am Anfang keine Anwendungsfelder sahen, zum Beispiel in Kunstbereich. Mit den NFTs, die jetzt kommen, haben wir interessante Unternehmen und auch Menschen hier in Zug, die etwas in diesem Bereich leisten. Wir bleiben aber am Ball auch mit neuen Technologien, Metaverse ist ein Thema, künstliche Intelligenz. Ich glaube, das ist wichtig, dass wir als Stadt auch bei neuen Themen, die kommen, genauso offen an das Thema rangehen, wie wir es bei Blockchain getan haben.
Denn es wäre falsch, wenn wir uns nun auf der Vergangenheit ausruhen würden. Es ist mir persönlich auch sehr wichtig, dass wir immer bei diesen Themen mitreden können und vorne dabei sind.